IVCA Treffen auf der dänischen Insel Mön vom 2. bis 6. Juni 2010
Ein Reisebericht von André Konietzko

Auf Velocipediaden - den Deutschland-Treffen des Vereins Historischer Fahrräder bin ich nun schon häufiger gewesen, aber auf einem IVCA-Treffen der International Veteran Cycle Association war ich noch nie. Dieses Jahr war unser Nachbarland Dänemark Ausrichter dieser Veranstaltung und Dänemark liegt für uns Schleswig-Holsteiner gerade Mal um die Ecke. Also sagte ich mir: Wenn nicht jetzt - wann dann?
Die Anmeldung klappte prima - nur die Buchung der Hin- und Rückreise war problematisch. Statt via Hamburg-Puttgarden-Rödbyhavn, schickte mich die Deutsche Bahn über Flensburg-Fredericia-Korsör einmal quer durch Dänemark - der einfachere Weg ließ sich angeblich nicht von Deutschland aus buchen. Na ja - am 2. Juni erreichte ich wohlbehalten und ohne Zwischenfälle die dänische Stadt Vordingborg. Von dort ging es nach einer kurzen Stärkung mit meinem ADLER Tourenrad von 1950, ausgerüstet mit einer 3- Gang-Kettenschaltung, via Stege zum Zielort Hjertebjerg auf der Insel Mön. Am Abend fand dort im Bürgerhaus des Ortes die Begrüßung der Teilnehmer durch den Organisator Brian Rosenberg, Vorsitzender des "Dansk Veterancykel Klub" statt. Nach dem Abendessen wurden die Weltmeisterschaften im Hoch- und Laufradfahren ausgetragen. Der Abend endete dann bei Bier und Klönschnack.
Am nächsten Tag fanden die sogenannten "Century-Rides" statt. Dabei handelt es sich um 25-, 50-, 75-, oder 100 englisch Meilen Fahrten. Ab 6:00 Uhr morgens war Start für die 100 Meilen Fahrer. Da es aber in meiner Unterkunft erst ab 8:00 Uhr Frühstück gab, war ich erst um 9:00 Uhr am Start, so dass ich mich seelisch schon auf die 75 Meilen Strecke eingestellt hatte. Mit meiner Kondition war es auch nicht so weit her und ein ADLER Tourenrad von 1950 ist auch kein Rennpferd. So nach den ersten 45 Meilen hatte ich dann auch ein echtes Form-Tief, aber nach dem Lunch auf der Insel Nyord ging es wieder aufwärts. Die Motivation kehrte zurück und inspiriert durch die schöne Landschaft, das herrliche Wetter (was uns übrigens während der ganzen Veranstaltung treu blieb) und auch durch die unterwegs geführten netten Gespräche mit anderen Leidens-Genossen, verging die Zeit wie im Fluge und um 18:15 Uhr erreichte ich nach 160 km das Ziel in Hjertebjerg.
Am Freitag stand eine Ausfahrt zum Möns Klint - dem Kreidefelsen der Insel Mön auf dem Programm. Zuvor nahmen wir aber noch an einem Projekt der Grundschule Hjertebjerg teil. Das Thema des Projekts war das Fahrrad.Über die Woche hatten die Schüler Modelle gebastelt, Bilder gemalt und die Geschichte des Fahrrades erforscht. Zum Abschluss des Projektes zeigten wir nun unsere historischen Fahrräder und die Schüler konnten Fragen dazu stellen und auch selbst, oder auch mit Hilfestellung (besonders bei den Hochrädern) darauf fahren. Auch untereinander tauschten wir die Räder und drehten unsere Runden auf dem Schulgelände. So kam ich in den Genuss, eines der seltenen Jaray- Sesselräder aus den 20er Jahren fahren zu dürfen - einfach super!
Am Mittag ging es weiter zum Möns Klint. Wer wollte, konnte dort nach dem Lunch das Geo-Center Möns Klint besichtigen. Danach ging es dann die 500 Stufen hinunter zum Strand. Von unten bot sich uns ein herrlicher Blick auf den Kreidefelsen. Obwohl das Ostseewasser wohl nur um die 14 Grad hatte, sprangen einige mutige Cyclisten in die kalten Fluten. Zurück in Hjertebjerg besuchte ich erst einmal den Teilemarkt. Zum Glück war ich ja mit dem Fahrrad da - so blieb es beim Kauf einiger Kleinteile. Am Abend fand dann im Bürgerhaus der Gemeinde Hjertebjerg das Abendessen mit anschließender Preisverleihung für die Hoch- und Laufrad-Weltmeisterschaften, sowie die "Century-Rides" statt.
Am Sonnabend trafen sich alle Teilnehmer der IVCA um 10:00 Uhr zu einem Gruppenfoto vor der Kirche von Elmelunde und kurz darauf starteten wir zur Kostüm-Ausfahrt in das etwa 9 km entfernt liegende Stege. Fast alle hatten sich passend zum Alter ihres Fahrrades gekleidet. Einige der belgischen Teilnehmer trugen alte Polizei-Uniformen und ein englischer Teilnehmer war wohl gerade aus den Kolonien zurückgekehrt und hatte noch seinen Tropenhelm auf.
Leider musste ich von Stege aus vorzeitig die Heimreise antreten, so dass ich am abendlichen Abschluss Gala-Essen mit ungarischer und italienischer Musikuntermalung nicht mehr teilnehmen konnte. Als Entschädigung hatte ich eine interessante Rückfahrt vor mir.
In Stege verließ ich die Veranstaltung - etwas verspätet und musste mich nun sputen. Den Wind von vorn, erreichte ich in Vordingborg in letzter Minute meinen Zug, der mich und mein Fahrrad laut Fahrplan- Ausdruck meiner Vermieterin direkt nach Rödbyhavn zur Fähre bringen sollte. Der freundliche Schaffner im Zug belehrte mich allerdings eines Besseren - Da der Sonnabend ein Feiertag wäre, würde dieser Zug heute nicht nach Rödby, sondern nur bis Nyköbing/Falster fahren und der Anschluss-ICE von Kopenhagen nach Hamburg würde keine Fahrräder mittnehmen.
Er riet mir mit einer Privatbahn von Nyköbing nach Maribor zu fahren - von dort verkehre ein Bus nach Rödby, der auch Fahrräder transportieren würde. Ich folgte seinem Rat mit dem Resultat, dass ich in Maribor stand, aber - da Feiertag war - kein Bus fuhr. So bin ich dann die 20 km von Maribor nach Rödby auch noch mit dem Rad gefahren. Natürlich verpasste ich meine Fähre von Rödby nach Puttgarden und somit auch meinen Zug von Puttgarden nach Hamburg. Kurz vor erreichen meiner Heimatstadt Elmshorn hatte ich noch ein nettes Erlebnis. Während der Schaffner meine Fahrkarten kontrollierte, fragte er mich, ob ich an dem IVCA Treffen auf der Insel Mön teilgenommen hätte. Ich bejahte und fragte Ihn erstaunt, woher er von der Veranstaltung wüsste. Er erwiderte daraufhin, dass sein Vater im Geo-Center am Möns Klint arbeite und sein Vater hätte ihm berichtet, dass unsere Gruppe dort gewesen wäre - so klein ist die Welt.

Abschließend kann ich nur sagen - die IVCA 2010 in Dänemark war eine super Veranstaltung.
Vielen Dank auch an die Veranstalter unter Führung von Brian Rosenberg.