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Anfang des Jahres stand es fest – dieses Jahr sollte es zur bild nach Gaiole in der Toskana gehen. Die Idee, an diesem historischen Radrennen, welches über die weißen Schotterstraßen des Chianti-Gebirges führt, teilzunehmen, bestand schon seit Jahren. Nun aber sollte die Idee Realität werden, nachdem sich über das Internet neun Gleichgesinnte, alles Mitglieder des Vereins Historische Fahrräder zusammengefunden hatten. Als Treffpunkt wurde Bad Friedrichshafen festgelegt, um von dort per Sprinter-Bus und Anhänger in die Toskana zu starten.

Am Donnerstag Abend, dem 4. Okt. startete ich in Elmshorn per Bahn, um von Hamburg mit dem Nachtzug zu unserem Treffpunkt zu gelangen. Mein 1951 gebautes 10-Gang-Rennrad der Marke „Victoria – Avanti“ hatte ich im Reisegepäck. Trotz des Lokomotivführer-Streiks erreichte ich am Freitag um kurz vor 9:00 Uhr planmäßig Bad Friedrichshafen.

Dort wurde ich bereits am Bahnsteig von Michael, dem Initiator der Reise, in Empfang genommen. Kurz darauf starteten wir in Richtung Italien. Über Österreich und die Schweiz, ging es entlang der Autobahn E 35 die 750 km lange Strecke zu unserem Zielort Gaiole in Chianti. Dort trafen wir gegen 21:00 Uhr ein, nachdem wir bei Bologna noch längere Zeit im Stau gestanden hatten.

Mit von der Partie waren Andreas und Hardy aus Meckenbeueren, Georg aus Friedrichshafen, Siegfried aus Ebersbach, Michael aus Tübingen, Kurt aus Lengerich und Kyra und Rainer aus Dülmen. Ich als Elmshorner war das absolute Nordlicht. Nachdem wir in unser Ferienhaus eingescheckt hatten, ging es noch einmal zur Stärkung ins Dorf hinunter. Der Weg zu unserem Haus war nicht ganz einfach. Ein schmaler, steiler Schotterweg mit einer Brücke, die unser Bus so gerade eben bewältigen konnte, führte einen Berg hinauf. Mit dem Fahrrad war der Weg - der Steigung wegen - kaum zu befahren.

Am nächsten Tag fuhren wir erst einmal in den Ort, um den dortigen Teilemarkt aufzusuchen. Die Meisten von uns wurden dort in Sachen historisches Rennradzubehör fündig. Nachdem wir uns für das Rennen angemeldet hatten und einige von uns auch noch ein original bild Renntrikot erwerben konnten, wurde erst einmal Proviant gebunkert und am Nachmittag unternahm unser Team bei schönstem Wetter eine 31 km lange Ausfahrt in die Umgebung. Am Abend gab es ein Essen für alle Teilnehmer der bild mit vielen Ansprachen auf Italienisch, die uns von einem Italiener, der an unserem Nebentisch saß, ins Deutsche übersetzt wurden. Überhaupt war es ein sehr unterhaltsamer Abend und nach einigen Flaschen Chianti-Wein klappte die Verständigung mit unseren Gastgebern immer besser.

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Gemeinsam gingen wir gegen 9:00 Uhr an den Start, um das lang ersehnte bild-Rennen über die Schotterpisten des Chianti-Gebirges zu bewältigen. Nach ca. 30 km teilten sich die Strecken in die 38 km und in die 75 km Strecke. Die Ausfahrt am Tag zuvor hatte schon gezeigt, dass mit den alten 20er Jahre Rennrädern ohne Schaltung nicht mehr als die 38 km Strecke machbar sein würde.

Nach kurzer Absprache teilte sich unser Team. 6 Teilnehmer entschieden sich für die kurze Strecke. Siegfried, Rainer (ohne Gangschaltung) und ich entschieden uns für den 75 km Parcour. Weiter ging die Tour nun über Schotter- und Teer-Straßen, bergauf und bergab, durch herrliche Landschaften. In Lucarelli (Km 46) machten wir eine Kaffeepause und in Volpaia (Km 60) war ein Kontrollpunkt mit ausgezeichneter Verpflegung. Es gab Chianti-Wein statt Iso-Drink und Käse und Schinken statt Müsli-Riegel. Nach dieser Stärkung gingen die „Leiden“ weiter. Siegfried kam mit seinem „Le Taureau“ Rennrad bald außer Sicht und so fuhr ich mit Rainer allein weiter. Steil bergauf führte die Schotterpiste. Nach jeder Kurve vermuteten wir den Gipfel, aber nach jeder Kurve wurden wir wieder enttäuscht. Aber irgendwann war es geschafft und für die Strapazen entschädigte uns eine wunderschöne Abfahrt. In dem idyllischen Dorf San Donato in Perano trafen wir auf eine Gruppe Motorradfahrer mit alten italienischen Motoguzzi-Maschinen, dessen Geknatter uns dann noch ein Stück Wegstrecke begleitete. Überhaupt waren auch viele Oldtimer-Autos unterwegs, die der ganzen Veranstaltung ein historisches Ambiente verliehen. Um ca. 16:00 Uhr erreichten wir wieder das Ziel in Gaiole. Ein schweißtreibendes, aber auch schönes und interessantes Rennen war beendet.

Den Abend verbrachten wir in gelöster Stimmung und begrüßten die noch ankommenden „Helden der Schotterpisten“, die sich für die 135 km, bzw. 200 km Strecken entschieden hatten. Nach den Ehrungen für verdiente Teilnehmer der Veranstaltung fuhren wir zurück, um ein letztes Mal im Dunkeln den schwierigen Anstieg zu unserem Ferienhaus zu bewältigen. Nur Hardys Kerzenlampe erleuchtete uns den Weg.

Tags darauf wurde noch gemütlich gefrühstückt. Danach packten wir unsere Sachen, luden die vom Staub der „Strade Bianche“ weiß gefärbten Fahrräder in den Anhänger und traten gegen 9:00 Uhr die Heimreise an. Ohne Zwischenfälle erreichten wir gegen Abend wieder Bad Friedrichshafen. Wenig später bestieg ich meinen Nachtzug und kam am darauf folgenden Morgen wohlbehalten in Elmshorn an. Abschließend kann ich sagen, es war nicht meine letzte Teilnahme an der bild. Vielleicht sind ja beim nächsten Mal schon mehrere Rückenwindler im bild Team vertreten.

Nach der Tour ist vor der Tour - Italien, wir kommen!

Euer „L’Eroicaner“ André